BMW ALPINA B12  vs.  Mercedes S600

Zwölfzylinder-Limousinen wie der S600 sind rar, und nur betuchte Zeitgenossen kommen in ihren Genuss. Noch exklusiver als der Mercedes will der BMW Alpina B12 sein. Ein Vergleich der Superlative.

Der neue Mercedes S600 ist da! Die frohe Kunde von der Verfügbarkeit einer neuen Zwölfzylinder-Limousine mag zwar für die

breite Masse kaum von Interesse sein, aber es gibt sie tatsächlich: Menschen, die – über den Daumen gepeilt – eine Viertelmillion Mark für ein Auto übrig haben.

BMW Alpina B12

Wer sich zu dieser Erfolgsgesellschaft zählen darf, landet bei der Suche nach dem ultimativen Luxus-geschöpf fast automatisch beim Mercedes S600, den es standesgemäß derzeit nur in der Langversion gibt.

Alternativen in diesen Schwindel erregenden Höhen der Automobilgesellschaft sind selten, aber es gibt sie, zum Beispiel bei BMW. Das heißt – nicht direkt bei BMW, denn der 750i ist in die Jahre gekommen und kann mit dem Leistungsniveau eines S600 nicht mehr mithalten.

Bei Alpina hingegen hat man sich des 750i angenommen und daraus eine überaus potente Sportlimousine namens Alpina B12 6.0 gemacht – ganz recht, wir haben es hier mit vollen sechs Liter Hubraum zu tun, wohingegen es der S 600 bei 5,8 Litern bewenden lässt.

Auch die restlichen Motordaten sprechen für den Alpina: In den zwölf Zylindern warten 430 Warmblüter auf Auslauf, und im Extremfall machen sich 600 Newtonmeter Drehmoment über die Kurbelwelle her. Doch auch beim Mercedes von Bescheidenheit keine Spur: Bei 367 PS und 530 Newtonmeter Zugkraft kann auch der S600 mit seinen Pfunden wuchern.

So viel zunächst zu den nüchternen Fakten, die über das Wesen dieser beiden Überflieger weniger aussagen als der erste optische Eindruck: Der Mercedes tritt schlicht und elegant, fast coupéhaft auf, ohne Schnörkel. Lediglich Schriftzug, sichtbare Auspuffendrohre und die polierten 17-Zoll-Felgen sind als Hinweise auf die Topmotorisierung anzusehen.

Dagegen bedient sich der Alpina offensichtlicher Show-Elemente wie Frontspoiler, üppiger 20-Zoll-Felgen und einer Heckschürze, die von vier Auspuffendrohren durchbohrt wird. Es handelt sich jedoch nicht um Tuning-Schnickschnack – ein jedes dieser sichtbaren Details erfüllt seinen Zweck, sei es aus aerodynamischen oder fahrwerkstechnischen Gründen.

Im Fahrbetrieb zeigen beide zunächst erstaunliche Parallelen. Man befindet sich permanent auf einer Art virtuellen schiefen Ebene, ständig damit beschäftigt, Gas und Bremse so zu dosieren, dass man nicht zu schnell hinabrollt – auch wenn’s in Wirklichkeit gerade bergauf geht. Den Wunsch nach Geschwindigkeitszuwachs lesen die mächtigen Zwölfzylinder dem Fahrer von den Augen ab und setzen ihn unverzüglich um.

Alpina heißt kontrollierbare Leistung im Überfluss, auch bei Tempo 280

Im Mercedes geschieht dies noch um einiges subtiler, da das Motorgeräusch – kaum hörbar – so gar nicht nach Verbrennungskraftmaschine klingt. Das beachtliche Beschleunigungsvermögen spürt man genauso wenig wie in der First-Class eines Jumbojets. Eingebettet in höchsten Federungs- und Sitzkomfort – ganz gleich, ob vorn oder im Fond – und per Doppelverglasung von der schnöden Außenwelt abgeschottet, fühlen sich die Passagiere wie in Abrahams Schoß. Wäre da nicht dieser ungestüme Vorwärtsdrang des Zwölfzylinders, würde auch der Fahrer Gefahr laufen, vor Langeweile einzuschlafen.

Da gibt sich der Alpina doch wesentlich mitteilungsfreudiger. Ein gekonnt komponierter kraftvoller Klang kündet stets von der Leistungsfähigkeit des Triebwerks. Zwar kann sich der B12 bis etwa 180 km/h nicht entscheidend vom S600 distanzieren, aber oberhalb von Tempo 200, freie Bahn vorausgesetzt, brennt der Alpina ein Beschleunigungs-Feuerwerk ab, als gäbe es kein Morgen. Selbst wenn die Tachonadel auf 270 zeigt, sind noch Kraftreserven vorhanden, die bis zum Maximum von 291 km/h reichen – Regionen, die dem S600 verwehrt bleiben. Er regelt bei 250 km/h ab.

Das Schalten beherrscht die Fünfstufen-Automatik des Alpina besser als das Pendant im Mercedes. In Zusammenarbeit mit Bosch entwickelte Alpina einen Automaten von höchster Qualität. Bei jedem Gangwechsel tritt die Getriebesteuerung in einen intensiven Dialog mit dem Motormanagement, das gezielt Gas wegnimmt und für sanfte, aber dennoch schnelle Schaltmanöver sorgt.

Der Mercedes ist schnell – sehr schnell, man spürt es nur nicht

Diese Perfektion erreicht die mitunter etwas zögernd reagierende Mercedes-Automatik nicht. Beide Getriebe bieten auch manuelle Schaltmöglichkeiten, die in der Praxis jedoch kaum Vorteile bringen. Die Kehrseite der Motorpower zeigt sich an der Super-Plus-Zapfsäule. Mit 16,9 (Alpina) und 15,4 (Mercedes) Liter Testverbrauch auf 100 km relativiert sich der Traum vom idealen Langstrecken-Renner. Wenn die Zwölfender zur Zwangspause die Tankstelle ansteuern, dann haben moderne Achtzylinder-Diesel vom Schlage eines Mercedes S400 CDI noch ein paar hundert Kilometer vor sich.

Doch zurück zu den Zwölfzylinder-Ottos. Die Wahl zwischen S600 und Alpina fällt leicht – wenn der Kunde genau weiß, was er will. Wer den ultimativen Komfort sucht und sich eventuell auch einmal chauffieren lassen möchte, der kommt am Mercedes für 217964 Mark nicht vorbei. Sein luftgefedertes Fahrwerk mit automatischem Ausgleich der Seitenneigung verdaut selbst widrigste Fahrbahnverhältnisse. Und serienmäßige Feinheiten wie Leder/Holzausstattung, Einparkhilfe, Navigation, Hi-Fi-Anlage, Telefon, Türzuzieh-Automatik und einstellbare Fondsitze bei üppigster Beinfreiheit machen das Leben angenehm. Bei soviel Perfektion fallen Fehler wie ein defektes Keyless-Go-System (starten ohne Schlüssel) oder ein ratternder Scheibewischer allerdings besonders ins Gewicht.

Beim Alpina investiert man mit 218600 Mark weniger in Komfort als in pure Performance, obwohl das straff gefederte Fahrwerk auf Pisten durchschnittlicher deutscher Güte nicht zu übertriebener Härte neigt und die Ausstattung ähnlich komplett ausfällt wie im S600. Wer möchte, kann den B12 auch in einer Langversion (239800 Mark) ordern, doch als Chauffeur-Limousine taugt er weniger als der S600. Der B12 ist ein Auto für aktive Fahrernaturen, die das Fahrerlebnis trotz Komfort plus Sicherheit auch jenseits der 250 km/h nicht missen mögen. Einen Schuss mehr Exklusivität gegenüber dem Mercedes besitzt der B12 obendrein, denn einen Alpina sieht man nicht an jeder Ecke.